Von AfD bis Grüne: So stehen Parteien 2026 zu Cannabis - Hanfify

Von AfD bis Grüne: So stehen Parteien 2026 zu Cannabis

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|Maxim Traxel

Die Bundestagswahl 2025 hat die politische Landschaft neu sortiert. Seit Mai regiert eine Koalition aus CDU/CSU und SPD – und das Cannabisgesetz steht auf dem Prüfstand. Im Koalitionsvertrag wurde eine ergebnisoffene Evaluierung vereinbart. Der erste Zwischenbericht (EKOCAN) liegt seit Oktober 2025 vor. Das Ergebnis: kein sprunghafter Konsumanstieg, kein dringender Handlungsbedarf. Trotzdem bleiben die Positionen der Parteien sehr unterschiedlich. Wir zeigen, wie die wichtigsten Parteien zur Legalisierung von Cannabis stehen – von Befürwortern über Skeptiker bis hin zu klaren Gegnern. Ein Überblick für alle, die wissen wollen, wohin die Reise geht.

Die Befürworter: Grüne und Linke

Grüne: Legalisierung konsequent weiterführen

Die Grünen gehören zu den stärksten Befürwortern einer modernen Cannabispolitik in Deutschland. Als Teil der ehemaligen Ampel-Koalition haben sie das Cannabisgesetz aktiv mitgestaltet und maßgeblich vorangetrieben. Ihre Position ist klar: Das bestehende Gesetz soll nicht nur erhalten bleiben, sondern weiterentwickelt werden.

Konkret setzen sich die Grünen für den Verkauf von Cannabis in lizenzierten Fachgeschäften ein. Ein Schritt, der in der Ampel-Zeit nicht mehr umgesetzt werden konnte. Aus ihrer Sicht ist die kontrollierte Abgabe der wirksamste Hebel, um den Schwarzmarkt nachhaltig zurückzudrängen. Prävention und Jugendschutz sollen durch Aufklärung statt durch Verbote gestärkt werden.

In der aktuellen Legislaturperiode sitzen die Grünen in der Opposition. Sie begleiten die laufende Evaluation des Cannabisgesetzes kritisch und setzen sich dafür ein, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht für eine politisch motivierte Verschärfung genutzt werden. Der EKOCAN-Zwischenbericht von Oktober 2025 stützt ihre Argumentation: Kein sprunghafter Konsumanstieg, kein dringender Handlungsbedarf – ein Signal, das die Grünen als Bestätigung ihres Kurses lesen.

Die Linke: Entkriminalisierung und soziale Gerechtigkeit

Die Linke geht in der Cannabisfrage noch einen Schritt weiter als die Grünen. Die Partei fordert eine vollständige Legalisierung mit weniger Einschränkungen. Regulierte Fachgeschäfte, Eigenanbau ohne enge Mengenbegrenzung und eine umfassende Entkriminalisierung aller Konsumenten – das ist die Linie.

Dahinter steht ein sozialpolitisches Argument. Für die Linke ist die Kriminalisierung von Cannabis vor allem ein Werkzeug, das sozial schwächere Gruppen überproportional trifft. Die Partei setzt auf Aufklärung und Prävention statt auf Strafverfolgung. Bereits 2024 hatte sie den damaligen Gesetzentwurf zur Teillegalisierung als unzureichend kritisiert.

In ihrer Rolle als Oppositionspartei drängt die Linke darauf, die Ergebnisse der Evaluierung für weitere Liberalisierungsschritte zu nutzen. Ihr Ziel: eine Drogenpolitik, die auf Vernunft und Respekt gegenüber erwachsenen Bürgern basiert – nicht auf Angst.

Die Zögernden: SPD und BSW

SPD: Pragmatisch, aber vorsichtig

Die SPD hat als Koalitionspartnerin in der Ampel das Cannabisgesetz unter Gesundheitsminister Karl Lauterbach auf den Weg gebracht. Ein Projekt, zu dem die Partei steht – auch in der neuen Koalition mit der Union. In den Koalitionsverhandlungen hat die SPD dafür gesorgt, dass das Gesetz nicht einfach zurückgenommen wird. Ein wichtiger Erfolg.

Gleichzeitig fällt auf: Die SPD tritt beim Thema Cannabis spürbar zurückhaltender auf als noch 2024. Im Wahlprogramm war von einer europarechtskonformen Legalisierung die Rede, konkret wird es aktuell aber nicht. Im Koalitionsvertrag einigte man sich auf die Formel der ergebnisoffenen Evaluierung – ein Kompromiss, der beiden Seiten Spielraum lässt.

Was das bedeutet? Die SPD verteidigt den Status quo. Weiterentwicklung in Richtung Fachgeschäfte oder Modellprojekte ist unter der aktuellen Regierung allerdings kaum realistisch. Die Partei balanciert zwischen dem Festhalten an ihrem eigenen Gesetz und dem Koalitionsfrieden mit der Union. Im April 2026 wird der nächste Zwischenbericht erwartet – er könnte neue Dynamik bringen.

BSW: Skepsis mit sozialpolitischem Fokus

Das Bündnis Sahra Wagenknecht ist die große Unbekannte in der Cannabispolitik. Im Wahlprogramm 2025 fand sich kein klares Bekenntnis zum Thema. Wahlprüfsteine des Deutschen Hanfverbands blieben unbeantwortet. Im Bundestag hatte sich die Partei zwar mehrheitlich für die Legalisierung ausgesprochen, doch eine einheitliche Linie fehlt.

Klar ist: Das BSW lehnt eine Kriminalisierung von Konsumenten ab. Gleichzeitig steht die Partei einer weitreichenden Liberalisierung skeptisch gegenüber. Es gibt Stimmen innerhalb des BSW, die eine Teillegalisierung mittragen, und solche, die deutliche Vorbehalte haben. Wer sich für Drogenpolitik interessiert und auf eine verlässliche Position angewiesen ist, findet beim BSW wenig Orientierung.

Die Skeptiker: CDU und CSU

CDU: Rücknahme der Legalisierung gefordert

Die CDU hatte im Wahlkampf 2025 klar angekündigt, das Cannabisgesetz abschaffen zu wollen. Das Gesetz schütze Dealer und setze Minderjährige dem Drogenkonsum aus – so die Argumentation im Wahlprogramm. Jugendschutz und Sicherheitsbedenken standen im Zentrum.

In der Regierungsrealität sieht es anders aus. Die SPD hat in den Koalitionsverhandlungen eine direkte Rücknahme verhindert. Der Koalitionsvertrag sieht stattdessen die ergebnisoffene Evaluierung vor. CDU-Chef Friedrich Merz räumte ein, dass Cannabis für die CDU kein Schwerpunktthema mehr sei. Ein Zeichen dafür, dass die Prioritäten woanders liegen.

Trotzdem bleibt die CDU kritisch. Gesundheitsminister Tino Sorge (CDU) hat die Legalisierung in der Vergangenheit wiederholt als gefährlichen Irrweg bezeichnet. Wie die Partei auf den nächsten Evaluierungsbericht im April 2026 reagiert, ist offen. Eine Verschärfung einzelner Regelungen ist denkbar – eine komplette Rückabwicklung dagegen politisch kaum durchsetzbar.

CSU: Klare Ablehnung aus Bayern

Innerhalb der Union ist die CSU die lauteste Stimme gegen Cannabis. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann forderte noch kurz vor Abschluss der Koalitionsverhandlungen, den „Fehler der Ampel rückgängig zu machen". Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach sprach sich für eine rasche und vollständige Rücknahme aus.

Die CSU argumentiert vor allem mit Gesundheitsrisiken für Jugendliche und Sicherheitsbedenken. Auffällig ist: Bayern blockiert seit Beginn die Umsetzung des Gesetzes auf Landesebene. Genehmigungen für Cannabis-Anbauvereinigungen wurden lange verzögert und erst spät erteilt – während andere Bundesländer wie NRW oder Thüringen längst weiter waren.

An der Basis zeigt sich ein anderes Bild. Laut einer Umfrage von infratest dimap befürworteten selbst unter CDU-Wählern 46 Prozent eine vollständige Legalisierung mit Fachgeschäften. Die CSU-Spitze liegt mit ihrer harten Linie also nicht unbedingt auf einer Wellenlänge mit der eigenen Wählerschaft.

Die Gegner: AfD

AfD: Komplette Rückabwicklung als Ziel

Die AfD lehnt die Cannabis-Legalisierung klar ab. In ihrem Wahlprogramm bezeichnet sie die Teillegalisierung als Fehler, der rückgängig gemacht werden soll. Die Begründung: Cannabis könne zu schweren gesundheitlichen und psychischen Schäden führen – besonders bei Jugendlichen, deren Gehirne noch nicht vollständig entwickelt seien.

Eine Ausnahme macht die AfD beim medizinischen Cannabis. Hier sieht sie Spielraum, fordert allerdings strengere Verschreibungsregeln und eine klare Trennung zwischen medizinischer Anwendung und Freizeitkonsum. Im Bundestag hat die AfD-Fraktion einen Antrag zur verfahrenstechnischen Gleichbehandlung von Medizinalcannabis mit anderen Arzneimitteln eingebracht – inklusive persönlichem Arzt-Patienten-Kontakt und Nutzenbewertung.

Politisch ist der Einfluss der AfD auf die Cannabisgesetzgebung begrenzt. Alle anderen Parteien schließen eine Zusammenarbeit bei gemeinsamen Gesetzgebungsprojekten aus. Eine Rückabwicklung des Cannabisgesetzes wäre im Bundestag nur mit den Stimmen der AfD möglich – ein Szenario, das die Union aus politischen Gründen vermeidet.

Und was heißt das jetzt?

Stand Februar 2026 gilt: Das Cannabisgesetz bleibt bestehen. Die Teillegalisierung ist Realität, und eine vollständige Rücknahme ist politisch kaum durchsetzbar. Der erste EKOCAN-Zwischenbericht hat gezeigt, dass die befürchteten Horrorszenarien nicht eingetreten sind – kein Konsumanstieg, keine Zunahme bei Jugendlichen, keine auffälligen Gesundheitseffekte.

Im April 2026 folgt der nächste Evaluierungsbericht mit Fokus auf organisierte Kriminalität. Er wird die politische Debatte neu befeuern. Für alle, die Hanfprodukte nutzen oder sich für die Pflanze interessieren, bleibt die Lage stabil – aber nicht statisch. Es lohnt sich, dranzubleiben.