THCP stärker als THC: So wirkt das verbotene Cannabinoid - Hanfify

THCP stärker als THC: So wirkt das verbotene Cannabinoid

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|Maxim Traxel

Zum 27.06.2024 trat die „Fünfte Verordnung zur Änderung der Anlage des Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetzes“ (NpSG) in Kraft. Dadurch ist der Verkauf von THCP seitdem verboten.

THCP ist eines jener Cannabinoide, über die in den letzten Jahren viel spekuliert wurde – vor allem, weil es im Labor eine deutlich stärkere Bindung an bestimmte Rezeptoren zeigt als THC. Doch was bedeutet das in der Praxis? Und wie ist die rechtliche Lage in Deutschland? Wir ordnen ein, was wir wissen – und was noch offen ist.

Was ist THCP – und warum gilt es als so potent?

THCP, kurz für Tetrahydrocannabiphorol, ist ein natürlich vorkommendes Cannabinoid aus der Cannabispflanze. Es wurde erst 2019 von italienischen Forschern beschrieben und unterscheidet sich strukturell nur minimal von THC – mit einem entscheidenden Detail, das seine Wirkweise beeinflussen könnte.

Die Struktur macht den Unterschied

Während THC eine Seitenkette mit fünf Kohlenstoffatomen besitzt, hat THCP sieben. Diese längere Kette ermöglicht eine festere Bindung an die CB1-Rezeptoren im Endocannabinoid-System – jene Andockstellen, die maßgeblich für psychoaktive Effekte verantwortlich sind. Strukturell ähnlich, funktional möglicherweise deutlich intensiver.

33-mal stärker als THC – was bedeutet das?

In Laborversuchen zeigte THCP eine etwa 33-mal stärkere Affinität zu CB1-Rezeptoren als THC. Das klingt beeindruckend – bedeutet aber nicht automatisch, dass die Wirkung beim Menschen ebenso stark ausfällt. Bindungsstärke ist nur ein Faktor von vielen. Wie sich THCP tatsächlich im Körper verhält, welche Dosis nötig wäre und wie lange es wirkt, ist bislang kaum untersucht.

Natürlich vorkommend, aber extrem selten

THCP kommt in der Cannabispflanze nur in winzigen Mengen vor – oft weit unter einem Prozent. Dennoch könnte es eine Rolle spielen: Manche Forscher vermuten, dass selbst Spuren von THCP das Wirkprofil einer Sorte beeinflussen könnten. Eine mögliche Erklärung dafür, warum manche Blüten intensiver wirken, als ihr THC-Gehalt vermuten lässt.

Wie wirkt THCP im Vergleich zu THC?

Die Frage nach der Wirkung ist komplex – denn was im Reagenzglas passiert, lässt sich nicht eins zu eins auf den Menschen übertragen. Trotzdem gibt es erste Hinweise, die das Interesse an THCP erklären.

Bindung an CB1-Rezeptoren: Die Theorie

THCP dockt fester und länger an CB1-Rezeptoren an als THC. Das könnte theoretisch bedeuten, dass bereits geringere Mengen ausreichen, um spürbare Effekte zu erzeugen. Ob das in der Praxis zutrifft, hängt von vielen Faktoren ab: Bioverfügbarkeit, Stoffwechsel, individuelle Toleranz. Die Bindungsstärke allein ist kein Garant für eine stärkere Wirkung.

Warum manche Sorten stärker wirken als erwartet

Es gibt Cannabissorten, deren Wirkung nicht allein durch den THC-Gehalt erklärt werden kann. Hier könnte THCP – zusammen mit anderen seltenen Cannabinoiden – eine Rolle spielen. Das sogenannte Entourage-Prinzip beschreibt, wie verschiedene Pflanzenstoffe sich gegenseitig beeinflussen. THCP könnte ein Puzzleteil in diesem komplexen Zusammenspiel sein.

Fehlende Studien: Was wir noch nicht wissen

Über die tatsächliche Wirkung von THCP beim Menschen gibt es bislang keine belastbaren Daten. Keine klinischen Studien, keine Langzeitbeobachtungen, keine gesicherten Dosierungsempfehlungen. Was bleibt, sind Laborergebnisse und Vermutungen – interessant, aber nicht ausreichend, um fundierte Aussagen zu treffen.

Ist THCP in Deutschland legal oder verboten?

Die rechtliche Einordnung von THCP hat sich in Deutschland klar verändert. Was zunächst in einer Grauzone lag, ist mittlerweile eindeutig geregelt.

Die Gesetzesänderung vom 27. Juni 2024

Am 27. Juni 2024 trat die fünfte Verordnung zur Änderung der Anlage des Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetzes (NpSG) in Kraft. Mit dieser Änderung wurde das Inverkehrbringen von THCP – neben HHC und weiteren synthetischen sowie halbsynthetischen Cannabinoiden – verboten. Seitdem dürfen entsprechende Produkte in Deutschland nicht mehr verkauft werden.

Was das NpSG für THCP bedeutet

Das NpSG erfasst psychoaktive Substanzen, die nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, aber ein ähnliches Gefährdungspotenzial aufweisen. THCP wurde in diese Kategorie aufgenommen – unabhängig davon, ob es natürlich vorkommt oder synthetisch hergestellt wird. Entscheidend ist die Substanz selbst, nicht ihre Herkunft.

Synthetisch, halbsynthetisch oder natürlich – wo liegt die Grenze?

THCP kommt zwar natürlich in der Pflanze vor, wird für kommerzielle Produkte aber meist synthetisch oder halbsynthetisch hergestellt – schlicht, weil die natürlichen Mengen zu gering sind. Das NpSG macht hier keinen Unterschied: Die Substanz ist erfasst, unabhängig vom Herstellungsweg. Produkte mit THCP sind in Deutschland nicht legal erhältlich.

Unser Fazit: Potent, aber nicht verfügbar

THCP ist ein faszinierendes Cannabinoid – strukturell nah an THC, im Labor deutlich potenter, in der Pflanze extrem selten. Es könnte helfen zu verstehen, warum manche Sorten intensiver wirken als erwartet. Doch solide Daten zur Wirkung beim Menschen fehlen bislang. Und rechtlich ist die Lage klar: Seit Juni 2024 ist THCP in Deutschland verboten. Wir beobachten die Forschung weiter – und halten euch auf dem Laufenden, sollte sich etwas ändern.